Gastro-Lieferantenportraits zur aktuellen Lage

Die aktuelle Krise und der erneute Lockdown trifft weit mehr Akteure innerhalb der Wertschöpfungskette als von der Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen. Darauf wollen wir mit der Rubrik der Lieferantenportraits aufmerksam machen.

 

Production Pioneers GmbH

„Wir sind eine Manufaktur für Markenkommunikation und Möbelbau mit rund 20 Mitarbeiter*innen und kümmern uns um hochwertige Werbematerialien und Innenraumausstattungen für den Einzelhandel, Promotionsflächen an Flughäfen und diverse gastronomische Betriebe. Von Beginn an wurden wir von der Pandemie hart getroffen. Trotz schnellem Handeln, der sofortigen Anmeldung von Kurzarbeit und der Entwicklung neuer Ideen, um auch im Lockdown leistungsfähig zu bleiben, leiden wir unter einem Umsatzrückgang im deutlich zweistelligen Bereich.“

Doch Aufgeben ist nicht drin. Nun versuchen die PIONEERS alles, um ihr Team und ihre Arbeit zu erhalten. 

Nachdem sich die Auftragslage im Sommer 2020 glücklicherweise wieder verbessert hatte, traf sie der erneute Lockdown im Herbst erneut hart: Die Umsätze liegen nun 50% unter dem Niveau des Vorjahres 2019. „Auch wenn das Jahr hart war und noch unklar ist, wie die Zukunft aussieht, blicken wir zuversichtlich nach vorn: Das Projektgeschäft zieht ein wenig an, getrieben durch die Bereiche Innenarchitektur und Umbauten, da die Baubranche ja weiterhin boomt. Wir planen keine Entlassungen – im Gegenteil, gute Handwerker zu finden ist gar nicht so einfach.“

Für die nächsten Monate setzt die Manufaktur auf möglichst risikofreie Planung und eine starke Zusammenarbeit im Team. Trotzdem leben sie in Sorge, solange nicht klar ist, inwieweit sie unterstützt werden: „Wir erkennen Licht am Horizont und wünschen uns, dass die Impfangebote schnell ausgeweitet werden. Wir planen bis Mitte des Sommers noch sehr, sehr konservativ. Ohne die staatlichen Überbrückungshilfen wäre es nicht denkbar, die Produktionshallen und den Geschäftsbetrieb in dieser Form aufrecht zu halten und die Fixkosten zu decken.“ Die PIONEERS geben alles, um die Krise auch als Chance zu nutzen um durch die eigene Innovationskraft und umfassende staatlichen Hilfen stabilisiert aus dem Covid-Tief zu kommen. 

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gastronomie und Hotellerie hat das Unternehmen in aller Härte zu spüren bekommen: Drastische Umsatzeinbrüche und ein massiv negativer Cashflow waren die Folge. Umfangreiche Sparmaßnahmen wurden eingeleitet, Warenbestellungen storniert, Marketing-Aktionen gestoppt und die Standorte in Bielefeld und München geschlossen. Letztlich war die Personalstärke von 800 Mitarbeitern konzernweit angesichts der negativen Entwicklung nicht mehr zu halten. Durch die Gründung einer Transfergesellschaft konnte den freigestellten 70 Mitarbeitern an den Standorten Wertingen und Nürnberg eine zeitliche und finanzielle Sicherheit gegeben werden.

Auch wenn man bei Erwin Müller sicher ist, dass die Auswirkungen der Krise das Unternehmen noch lange beschäftigen, so sieht man mit der verkleinerten Mannschaft, einer angepassten Organisations-Struktur und den starken Produkten und Dienstleistungen vorsichtig optimistisch in die Zukunft. In der Krise musste den Umsatzeinbrüchen entgegengesteuert werden und es galt, neue Zielgruppen zu erschließen. Dies war der Start für den Einstieg in den B2C Markt. Es war wichtig, schnell zu sein. Mit der Leidenschaft und Dynamik kleiner, schlagkräftiger, cross-funktionaler Teams konnten schon nach wenigen Wochen die ersten Shops live gehen. Europaweit wurde sukzessive ein Shop nach dem anderen für die Endverbraucher eröffnet. Attila Wandrey, verantwortlich für das strategische Marketing: „Wir lernen täglich, analysieren genau und verstehen so Stück für Stück immer besser, welche Unterschiede es zum uns bekannten B2B Markt gibt. Unser B2C-Leitspruch „Profiqualität für zuhause“ funktioniert aber schon recht gut.“ Eine Einschätzung für das Geschäftsjahr 2021 sei schwierig. „Wir lassen uns die Stimmung aber nicht verderben, hoffen auf ein baldiges Ende des Lockdowns und möchten dann gut vorbereitet für unsere Kunden da sein.“

Die Erwin Müller Group ist ein führender Spezialist für Gastronomiebedarf, von der Tischkultur über Einrichtungen bis hin zu Hotelwäsche sowie Berufsbekleidung. Die Marken VEGA, Erwin M., Jobeline, Pulsiva und Lusini sind Marktführer in Europa. Mit dem hohen Anspruch an Innovation, Design und Qualität begeistert das Unternehmen mit rund 40.000 Artikeln seine Kunden in Gastronomie, Hotellerie und Catering weltweit. Neben dem Stammsitz in Wertingen verfügt die Unternehmensgruppe über Niederlassungen in acht europäischen Ländern und einen weltweiten Vertrieb. 

© Brauerei Lemke Berlin GmbH

„Nicht nur die Gastronomie, viele Branchen leiden unter der Corona-Krise und den Folgen der Lockdowns, klar. An das ständige Auf und Ab aus Lockdown, Teil-Shutdown und Normalbetrieb mit angezogener Handbremse (Stichwort Gästebegrenzung, eingeschränkte Öffnungszeiten) hat man sich als Gastronom und Lieferant ja schon fast gewöhnt - so bitter das ist“, sagt Oli Lemke. „Aber was für mich kaum mehr persönlich tragbar ist und mich am System zweifeln lässt, sind das Regularien-Chaos und die Hürden bei den vollmundig als ‚unbürokratisch und schnell‘ angekündigten finanziellen Hilfen des Bundes. Von denen hat nämlich keiner unserer Betriebe bisher auch nur einen Cent gesehen.

Als die Corona-Krise begann und die Auswirkungen absehbar wurden, hab ich für meine Restaurants und die Brauerei ein KfW-Darlehen beantragt und auch problemlos bekommen, da unsere Unternehmen bei unserer Hausbank als seriös und kreditwürdig eingestuft wurden. Dieses Darlehen fällt uns nun auf die Füße: Es zählt als Beihilfe und führt dazu, dass weder Corona-Fixkostenhilfe 1, Corona-Hilfe 2, noch November- oder Dezemberhilfen für uns beantragbar sind. Allen Ernstes rät uns der Steuerberater nun, dieses Darlehen zurückzuzahlen und auch die Vorfälligkeitsentschädigung in Kauf zu nehmen – um dann wiederum in den Genuss der staatlichen Unterstützung zu kommen.

Unternehmen, die vor Corona also erfolgreich am Markt agiert haben und sich rechtzeitig vor Ankündigung irgendwelcher staatlichen Hilfen selbst um eine finanzielle Überbrückung gekümmert haben, gucken nun in die Röhre. Was von der Regierung gut gemeint ist, kommt in der Praxis nicht an. Und wir sind hier kein Einzelfall. Was mich zusätzlich zweifeln lässt: Diese Beihilferegeln können bei international tätigen Großkonzernen wie der Lufthansa oder TUI anscheinend mühelos außer Kraft gesetzt werden – wohingegen sie bei Kleinunternehmen wie uns kompromisslos angewendet werden. Hier läuft etwas gewaltig schief!“

Seit mehr als 20 Jahren produziert die Brauerei Lemke im Herzen Berlins feinste Biere. Gestartet ist Gründer Oli Lemke 1999 mit einem Bierpub mit angeschlossener Kleinstbrauerei. Mittlerweile gehören vier Restaurants und die Brauerei mit eigener Abfüllung zur Lemke-Welt, die insgesamt knapp 100 Mitarbeiter beschäftigen. Die Brauerei büßte durch die Corona-Pandemie 50 % ihres Jahresumsatzes ein, die Restaurants mussten einen Umsatzrückgang von 70 % verzeichnen.

Den Getränkefachgroßhandel K+K Krille, seit 1993 Gesellschafter der GEVA und seit einigen Jahren auch Mitglied bei Team Beverage, erwischte die Krise mitten im Jubiläumsjahr. 1990 gründeten die Brüder Jürgen und Matthias Krille das Unternehmen im heimischen Kreinitz, um dann rasch zu expandieren. Heutiger Firmensitz ist Riesa. Ursprünglich vor allem im Getränkefachmarkt-Bereich aktiv wendete man sich in den vergangenen Jahren verstärkt dem Veranstaltungssektor und der Gastronomie zu. Mittlerweile zählen die Krilles rund 450 Gastronomie- und Veranstaltungsbetriebe zu ihren Kunden, die für 70 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens stehen. Ein Großteil der derzeit 50 festangestellten Mitarbeiter arbeitet bereits seit der Firmengründung für das Familienunternehmen und hält dem Brüdergespann auch trotz erneuter Kurzarbeit „noch“ die Stange.

„Beim ersten Lockdown war die Situation völlig neu für uns. Die Läger waren voll, aber plötzlich bewegte sich gar nichts mehr. Es herrschte absoluter Stillstand. Hinzu kam die MHD-Problematik, die es vor allem bei typischen Gastronomiegebinden sehr oft gibt. Wir haben erst einmal alles in die Wege geleitet, um den Betrieb am Leben, aber vor allem auch unsere Mitarbeiter an Bord zu halten. Im Klartext hieß das: Kurzarbeit, Stilllegung von Lkw und Sparen, wo immer es möglich war.“ schildert Jürgen Krille die Situation im Frühjahr. Mit dem ReStart keimten wieder Zuversicht und Optimismus auf, denen der zweite Lockdown jedoch ein jähes Ende bescherte. „Der 2. Lockdown im Winter trifft uns alle noch härter, weil das Verbraucherverhalten anders ist und die angekündigten staatlichen Hilfen nicht so kommen wie erhofft. Von der ursprünglichen Solidarität ist wenig geblieben und auch die Zukunftsaussichten sind trübe. Es gibt keine klaren Perspektiven, weder für den Restart in 2021, noch was die staatlichen Finanzhilfen angeht.“ erklärt Krille. Und dann ist da auch noch der Karneval in Köln - für die Risaer eine echte Herzensangelegenheit wie Krille berichtet: „Seit etwa 20 Jahren sind wir deutschland- und europaweit im Eventbereich, speziell im Tribünenbau aktiv. In Köln waren wir seit einigen Jahren z. B. für einen Teil der Tribünen für die Umzüge zuständig, aber das wird nun 2021 ebenfalls ins Wasser fallen.“ Den Kopf in den Sand stecken die Brüder aber noch lange nicht. Sie wollen vielmehr das Unternehmen jetzt breiter aufstellen - mit einer eigens gegründeten Dienstleistungsgesellschaft im Immobilienbereich. Über eines sind sich die Krilles jedoch sicher: „Ohne die rasche Gewährung und Auszahlung der staatlichen Hilfen wird es ein „sibirischer Winter“ – für uns und für die gesamte Branche.“

Weitere Portraits stellen wir Ihnen in Kürze auf dieser Seite vor.